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einBlick: Die Chancen des demografischen Wandels nutzen?

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts überstieg die durchschnittliche Lebenserwartung in keinem Land der Welt 40 Jahre. Heute übertreffen hingegen alle Länder diese Marke. Die aktuelle durchschnittliche weltweite Lebenserwartung ist nun höher als die Lebenserwartung des gesündesten und wohlhabendsten Landes im Jahr 1950. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung immer weiter.

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung bis 2050 von derzeit 8,1 Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen anwachsen. Bis zum Jahr 2100 soll die Bevölkerungszahl fast 11 Milliarden erreichen. Mehr Menschen benötigen natürlich mehr Wohnraum, Energie und vor allem ausreichend Lebensmittel.

Die weltweite Lebenserwartung steigt aus mehreren Gründen: Fortschritte in der Medizin, bessere Diagnosemöglichkeiten und effektivere Behandlungen haben viele Krankheiten heilbar oder besser behandelbar gemacht. Impfprogramme, gesteigerte Hygienestandards und Zugang zu sauberem Trinkwasser haben ebenfalls erheblich zur Steigerung der Lebenserwartung beigetragen. Zudem sind Mangelernährung und Hunger in vielen Regionen auf dem Rückzug.

Dass die Lebenserwartung global steigt, ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Es ergeben sich aus dieser Entwicklung aber auch Herausforderungen, auf die sich Staaten und Unternehmen erst einstellen müssen.

© Fidelity / Statistisches Bundesamt, 2018


Mit der schnellen Alterung der Bevölkerung in den großen Volkswirtschaften wird die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen in den kommenden Jahrzehnten stark ansteigen. Bis 2050 wird jeder sechste Mensch weltweit 65 Jahre oder älter sein – eine Altersgruppe, die in der Regel dreimal so viel für medizinische Leistungen ausgibt wie jüngere Generationen. In Deutschland ist laut Robert Koch-Institut bereits heute jeder Fünfte älter als 65. Im Jahr 2060 soll es jeder Dritte sein.

Während der Gesundheitssektor insgesamt von der demografischen Entwicklung profitieren könnte, liegen einige der größten Wachstumschancen voraussichtlich in Innovationen, die auf altersbedingte Krankheiten abzielen, wie Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Orthopädie. Auch der Dienstleistungssektor im Bereich Gesundheit sollte weiter wachsen – etwa die Segmente Rehabilitation und Pflege.

Gleichzeitig hat der demografische Wandel weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Neben der wachsenden Bedeutung einer effizienten Gesundheitsversorgung entstehen neue Bedürfnisse. Der steigende Anteil älterer Menschen mit hoher Kaufkraft wird das Konsumverhalten erheblich beeinflussen. Viele Senioren sind bei Renteneintritt noch fit, aktiv und konsumfreudig. Sie reisen gerne und investieren in Gesundheitsprävention.

Wer lernen will, wie man mit diesen Herausforderungen umgehen kann, sollte genau auf Japan schauen. Keine andere Industrienation altert so schnell, und gleichzeitig unternimmt kaum ein anderes Land so viele Anstrengungen, um die Probleme der alternden Gesellschaft zu bewältigen. So sind japanische Unternehmen wie Toyota und Honda Vorreiter bei der Entwicklung von Assistenzrobotern, die Routineaufgaben für pflegebedürftige oder hilfsbedürftige Menschen übernehmen, sodass diese weiterhin selbstständig zu Hause leben können.

Auch in anderen Ländern entwickeln Unternehmen seit vielen Jahren eine Vielzahl von Produkten, die Senioren ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen sollen. Beispielsweise hat der Automobilhersteller BMW einen Nothalteassistenten für ältere Menschen entwickelt, der in medizinischen Notfällen automatisch die Steuerung übernimmt: Das Auto aktiviert selbstständig die Warnblinkanlage und manövriert kontrolliert an den rechten Straßenrand, wo es sicher anhält. Gleichzeitig sendet das Fahrzeug einen Notruf ab.

Viele Themenfonds, die mit dem Trend „Demografie“ Gewinne erwirtschaften, setzen aber nicht nur auf die Überalterung der Gesellschaft und ihre Folgen. Stattdessen werden auch Unternehmen in die Portfolios aufgenommen, die von der wachsenden Weltbevölkerung und dem steigenden Wohlstand in den Schwellenländern profitieren. Dazu gehören viele klassische Konsumtitel, Online-Plattformen und Luxusgüter-Hersteller, die sich großer Beliebtheit bei der wachsenden Mittelschicht in Asien und Lateinamerika erfreuen.

Der Blick vieler Fondsmanager und Anleger richtet sich dabei besonders auf China: Laut der Unternehmensberatung McKinsey wird die Zahl der Haushalte der oberen Mittelschicht (mit einem Einkommen von über 22.000 US-Dollar) bis 2023 um 70 % steigen. Die Regierung in Peking strebt bis 2035 an, das Land zu einem Staat mit moderatem Wohlstand zu entwickeln. Dazu führt sie verstärkt Maßnahmen ein, um die Selbstversorgung und den Binnenkonsum zu fördern. Es wird erheblich in Technologie und Innovation investiert, insbesondere in grüne Technologien, Telekommunikation und Robotik. Die Urbanisierung und damit verknüpftes Konsumverhalten nehmen weiter zu.

Ein weiterer Bereich der weltweit vom demografischen Wandel beeinflusst wird, ist die Infrastruktur. Dazu zählen zum Beispiel Stromnetze, Windparks, Wasserleitungen, Straßen, öffentliche Gebäude sowie Flughäfen, die für das Funktionieren und die Entwicklung einer Volkswirtschaft unerlässlich sind. Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung erfreuen sich Infrastruktureinrichtungen oft einer monopolistischen Marktsituation und hoher Eintrittsbarrieren. Dies bietet Investoren Sicherheit und die Aussicht auf eine stabile Rendite.

Wie hoch der Stellenwert einer funktionierenden und sich weiterentwickelnden Infrastruktur auch in den Industrienationen ist, lässt sich gut an den Milliardenprogrammen erkennen, die von Regierungen auf den Weg gebracht wurden. Allein die US-Regierung hat bis 2026 1,2 Billionen Dollar an staatlichen Fördermitteln zur Verfügung gestellt, um die dortige Infrastruktur zu modernisieren. Diesen Januar hat die EU (unter anderem) mit einem 252 Millionen € „Programm zur Stärkung der Digitalen Infrastruktur“ nachgezogen.

Fazit: Unternehmen, die zukünftig von der demografischen Entwicklung profitieren werden, haben gute Aussichten auf langfristiges Wachstum. Dieses Wachstum ist weitgehend unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen, da der demografische Wandel nur minimal von konjunkturellen Einflüssen betroffen ist. Die Senioren von morgen oder übermorgen sind längst geboren. Investoren sollten diesen wachsenden Markt daher auf keinen Fall ignorieren. Denn angesichts der jüngsten Prognosen ist eines offensichtlich: Diese gesellschaftliche Entwicklung ist nicht aufzuhalten.


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